Von:
Angelika Wiesel

e-fagott.de

Der Himmel hängt voller Geigen, die Engel spielen Harfe, aber Gottes Namen trägt ein eher unbekanntes Instrument: das FaGOTT.

Das Fagott hat kein göttliches Image. Viele kennen das größte Instrument aus der Familie der Holzbläser gar nicht. Die Töne eines Fagottes sind kaum aus dem Gesamtklang eines Orchesters herauszuhören. Manche Zuschauer schmunzeln über die Männer und Frauen in den hinteren Reihen des Orchesters, die mit verkniffenen Mündern und roten Köpfen in ihre langen braunen Holzrohre pusten.

Dabei ist das Fagott öfter zu hören, als es die meisten wahrnehmen: In Comicfilmen laufen die Figuren Treppenstufen hinauf- und wieder hinab und prallen zum Schluss gegen eine Wand. Das wäre für die Zuschauer halb so lustig, würde nicht jeder Schritt der kleinen Helden von einem Fagott-Ton begleitet. Im Konzertsaal tritt das unauffällige Instrument nur an wenigen Stellen aus dem Hintergrund hervor: Die Trolle tanzen durch Edward Griegs Halle des Bergkönigs. Der Großvater aus „Peter und der Wolf“ ermahnt seinen Enkel, das Gartentor zu schließen. Hier sind die Fagotte am Werk.

Fagottisten im Orchester haben Zeit für fromme Gedanken, denn sie zählen oft viele Pausentakte, bis der nächste Ton gespielt wird. Der Name ihres göttlichen Instrumentes hat jedoch mit Gott nichts zu tun, sondern kommt vom italienischen Begriff „fagotto“, das heißt Bündel. Mitte des 17. Jahrhunderts gelang es Instrumentenbauern zum ersten Mal, mehrere Holzröhren zu einem Fagott zu bündeln. Das heutige Fagott wird aus fünf Teilen und einem Mundstück zusammengesteckt, die hintereinandergelegt eine Länge von 2,50 m hätte. Wenn die Fagottisten diese Luftsäule zum Schwingen bringen, entsteht der wohlig, tiefe Klang des Holzblasinstruments.

Beim Fagottspielen kann ich viel über Gott erfahren. Im Orchester bilden die tiefen Töne des Fagottes meist einen Klangteppich im Untergrund. Sie spielen die ruhige Basslinie, während die hohen Instrumente jubilieren. So stelle ich mir Gott vor: Er ist der Grundton in meinem Leben. Auf seinem Fundament spiele ich meine Lebensmelodie.